Tanken im Supermarkt

Kooperation nicht nur der Umwelt zu Liebe: Die Kraftfahrzeugmechatroniker der Beruflichen Schulen Bebra rüsteten gemeinsam mit Diplom-Ingenieur Manfred Boländer einen Personenkraftwagen auf den Betrieb mit Pflanzenöl um. Dabei stand neben dem technischen Wissen die Vermeidung von CO2 im Vordergrund.

Im Zusammenhang mit dem Umgang mit den immer geringer werdenden Ölreserven wurden die Auszubildenden zum Kraftfahrzeugmechatroniker im Rahmen des Berufschulunterrichts von ihren Lehrern vor die Aufgabe gestellt, Alternativen zu suchen. Bei ihrer Suche wurden sie schnell fündig: Pflanzenöl sollte es sein, denn es hat zudem den Vorteil, dass der Ausstoß von Kohlendioxid merklich verringert wird. Bei ihren weiteren Recherchen stießen die Berufsschüler auf eine bereits laufende Entwicklung des Kirchheimer Diplom-Ingenieurs Manfred Boländer, der in Zusammenarbeit mit dem Kraftfahrzeugmeister Klaus Wentow und Ralf Drechsler ein spezielles Steuerungssystem für den Betrieb mit Pflanzenöl entwickelt. Schnell entstand eine Kooperation: Die Bebraer Berufsschüler sollten einen Pkw mit der neuen Technik ausrüsten.

„Bereits beim ersten Treffen entwickelten die Schüler viel Einsatzwille für die neue Technologie. Gleichzeitig kam die Idee, am CO2-Sparer-Wettbewerb teilzunehmen“, freut sich der zuständige Fachlehrer, Thomas Böttner. Nach einem regen Informationsaustausch wurden die Einbaulage der Bauteile und das weitere Vorgehen besprochen.

Es folgte die Montage der erforderlichen Systemkomponenten der Pflanzenölanlage wie zum Beispiel eines zweiten Tanks, Magnetventile, Sensoren zur Ermittlung des Betriebszustands sowie von Bauteilen zum Vorwärmen wie Wärmetauscher und Elektroheizung, um das Pflanzenöl so dünnflüssig zu machen, dass es sich wie Dieselkraftstoff verhält.

„Bis zum Erreichen der Betriebstemperatur wird weiter mit Diesel gefahren, dann schaltet die Anlage automatisch auf Pflanzenöl um“, erklärt Manfred Boländer. „Vor längeren Standzeiten – zum Beispiel über Nacht – muss die Anlage mit Diesel gespült werden, um beim Starten mit kaltem Pflanzenöl Ablagerungen im Motor zu vermeiden. Dazu wird vom Fahrer aber lediglich zwei Minuten vor Fahrtende einen Knopf am Bediendisplay betätigt.“

Manfred Boländers weitere Entwicklungen liegen im neuartigen mikroprozessorgesteuerten Steuergerät, mit dem alle notwendigen Parameter vom PC aus frei programmierbar sind. Zudem ist es diagnosefähig und es protokolliert ein elektronisches Fahrtenbuch die Daten von 8000 Fahrten, was in Garantiefällen vorteilhaft sein kann.

Der Kraftstoff kann in jedem Supermarkt gekauft werden: „Ich werde schon etwas merkwürdig angeschaut, wenn ich kartonweise Pflanzenöl kaufe, das Öl in den Tank meines Autos schütte und die leeren Flaschen gleich zurückbringe“, berichtet Manfred Boländer schmunzelnd.

„Während ihres Wachstums entziehen die Pflanzen der Umgebungsluft Kohlendioxid“, erläutert Thomas Böttner und erklärt den weiteren Kreislauf: „Nach dem Ernten entsteht ein Kraftstoff, der wieder in CO2 umgewandelt wird und zum anderen der Viehhaltung Rapskuchen zugeführt werden, woraus Pflanzendünger für das kommende Anbaujahr entsteht.“

Besonders für die Schüler wird es immer wichtiger, sich mit den Themen Kraftstoffeinsparung und CO2-Ausstoß auseinander zu setzen, sind sich Thomas Böttner und Manfred Boländer einig.

Weitere Informationen sind im Internet unter www.pflanzenoelsteuergeraet.de zu finden.

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