Brückenbau als Königsdisziplin

Da war Grips und handwerkliches Geschick gefragt: Eine Brücke aus Streichhölzern, Stecknadeln, Schnur und Klebstoff sollte gebaut werden, die ein 60 Zentimeter breites Tal überspannt und zudem an jeder Stelle der sechs Zentimeter breiten Fahrbahn ein Kilogramm tragen kann

 - eine ingenieurmäßige Aufgabe im Kleinformat. Die angehenden Fachkräfte für Straßen- und Verkehrstechnik, die an den Beruflichen Schulen Bebra ihren Berufsschulunterricht besuchen, stellten sich der Aufgabe und waren erfolgreich! Hessenweit belegen sie den ersten und den fünften Rang von insgesamt 89 teilnehmenden Brücken.

Unter dem Namen „Brücken verbinden 2007“ riefen die Ingenieurkammern Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland zu einem Wettbewerb auf, der im ersten Moment den Eindruck erweckt, als sei er für Bastler. Doch letztendlich steckt hinter den prämierten Werken viel mehr: „Die Schüler waren voll motiviert dabei und haben ingenieurmäßig gearbeitet“, freut sich ihr Lehrer, Marco Vogel, selbst Bauingenieur. Dies bestätigt sich beim näheren Betrachten der Brücke der Landessieger: Angelehnt an die Erasmusbrücke in Rotterdam ist auch die „Bridge over troubled water“ (wie sie die Schüler nannten) als Schrägseilbrücke in fächerförmiger Anordnung konstruiert. Die Säulen bilden Kaminstreichhölzer. Die Fahrbahn ist aus handelsüblichen Zündhölzern gefertigt. Abgespannt wird sie mit Nylonschnur. Stecknadeln mussten als Knotenpunkt aller Schrägseile herhalten. „Hier verwendeten die Schüler zunächst auch Streichhölzer, die aber schnell brachen, weil sie den auftretenden Biegekräften nicht standhielten“, erklärt Marco Vogel. „Ein Modell ist das beste Mittel, um ein Gespür für die Konstruktion zu entwickeln. Schwächen werden sofort aufgedeckt.“ „Filigran, präzise und elegant“, so bezeichnen die Juroren der Ingenieurkammer die Siegerbrücke, die auch im Hinblick auf die Statik nicht zu verachten ist: Bei einem Gewicht von nur 100 Gramm trägt sie ihr zehnfaches Eigengewicht an jeder Stelle. „Tragen sie mal einen Kleinwagen“, schmunzelt Vogel.

Die Schwesterbrücke „Match-Bridge“ (Platz fünf) zeichnet sich durch ihre erdbebensichere Zug-Seil-Konstruktion und Y-förmige Stützen ähnlich der Millenium-Bridge in London aus. „An sich haben die Schüler hier mit der frei hängenden Fahrbahn einen neuen Brückentyp entworfen“, so ihr Lehrer. Auch hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet: Sogar Grafittis und ein Bungee-Springer sind an dem Modell zu finden.

Insgesamt hatten die Schüler 27 Stunden Zeit. Sie befinden sich im dritten und damit letzten Ausbildungsjahr zur Fachkraft für Straßen- und Verkehrstechnik. Mehrere haben Abitur oder die allgemeine Fachhochschulreife und visieren ein Studium an. „Sie sind die Ingenieure von morgen und haben sich mit dem Brückenbau bereits an die Königsdisziplin des Bauingenieurwesens herangewagt“, ist Marco Vogel stolz auf seine Schüler. „Damit ist die Ingenieurkammer ihrem Ziel, junge Menschen für ein Ingenieursstudium zu motivieren, schon sehr nahe gekommen.“

Bleibt zu erwarten, wie die beiden Kunstwerke beim Süd-West-Entscheid gegen die Konkurrenz der benachbarten Bundesländer abschneiden.

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