Spritzgießen: zeitgemäß und praxisnah

Feierliche Inbetriebnahme: Gute Zusammenarbeit mit Continental Automotive

Über viele Gegenstände des täglichen Lebens machen wir uns keine großen Gedanken - sie sind einfach da und viele sind aus Kunststoff. Doch wie werden die kleinen und großen Helfer des Alltags eigentlich hergestellt? Dieses kann an den Beruflichen Schulen Bebra nun noch anschaulicher vermittelt werden.

Den Festakt zum 125-jährigen Bestehen der Beruflichen Schulen Bebra hatte die in Bebra ansässige Firma Continental Automotive zum Anlass genommen, der Bebraer Berufsschule eine Spritzgießmaschine als Geschenk zu überreichen. Nach dem fachgerechten Aufstellen und Einrichten der Maschine konnte sie nun feierlich in Betrieb genommen werden.

Mit der Übergabe der Spritzgießmaschine ging die Arbeit in der Metallwerkstatt der Beruflichen Schulen Bebra aber erst richtig los: „Unsere alte Maschine musste abgerüstet werden. Teile davon nutzen wir noch als Anschauungsobjekte“, erklärt Fachlehrer Peter Knierim. Auch der Abtransport der alten und der Transport der neuen Maschine mit einem Gewicht von etwa vier Tonnen in die Werkstatthalle der Schule mussten bewerkstelligt werden. „Doch dank der benachbarten Firma Beisheim, die auch den Transport zur Schule übernahm, und ihren Mitarbeitern wurde dieses Problem kleiner als befürchtet.“
Es folgte die Inbetriebnahme, zu der das Ausrichten der Maschine, der Anschluss der Kühlgeräte, das Einrichten des Spritzgießwerkzeugs sowie das Einstellen und Testen der Prozessparameter gehört. „Auch hier stand uns Continental mit Rat und Tat zur Seite“, freut sich Peter Knierim über die hervorragende Zusammenarbeit und bedankt sich beim zuständigen Bereichsleiter, Patrick Opel, und dessen Mitarbeitern, die bisher an der Maschine gearbeitet haben, sowie dem Leiter des Technischen Centers, Rüdiger Brandau, und seinen Mitarbeitern des Werkzeug- und Formenbaus. Beide betonten, dass Continental und seine Mitarbeiter den Beruflichen Schulen Bebra bezüglich der Spritzgießmaschine und des Spritzgießwerkzeugs natürlich auch weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Auch Wolfgang Haas, Schulleiter der Beruflichen Schulen Bebra, bedankt sich für die neuwertige Maschine und die Unterstützung durch die Firma Continental: „Es freut mich, dass wir so unsere Schülerinnen und Schülern wieder auf dem aktuellen Stand der Technik unterrichten können und auf eine so gute Partnerschaft mit einem großen Arbeitgeber der Region bauen können.“

Bisher produzierte die Maschine Kunststoffteile für Kraftstoffpumpen. Nun dient sie in den Beruflichen Schulen Bebra in erster Linie dazu, den Werkzeugmechaniker-Auszubildenden das Thema Spritzgießen am Beispiel von Kunststoffbechern mit schuleigenem Schriftzug praxisnah zu vermitteln. „Im Vergleich zur alten Maschine können wir nun Parameter wie Temperaturen, Drücke, Zeiten und Wege gezielt und einfach verändern und beobachten, wie sie sich auf das Produkt und den Prozess auswirken“, erläutert Peter Knierim. „Auch in anderen Situationen, wie zum Beispiel dem Chemieunterricht des Beruflichen Gymnasiums, oder bei den neuen Berufen der Baugeräteführer und Baumaschinenmechatronikern haben wir die Maschine zwischenzeitlich schon eingesetzt.“ 


Hintergrund
Durch Spritzgießen und verwandte Verfahren werden sehr viele Gegenstände hergestellt, die wir im täglichen Leben wieder finden - zum Beispiel: Becher, Schüsseln, Zahnbürsten, Schraubverschlüsse für Trinkflaschen, Kugelschreibergehäuse, Spielzeuge, Gehäuse von Fernsehern und anderen elektronischen Geräten, Fahrzeugteile oder Innenleben von mechanischen Geräten. Die Anwendungsmöglichkeiten sind fast unendlich.
Um ein Produkt herzustellen, wird eine Form - das Spritzgießwerkzeug - benötigt. Es besteht aus zwei Formhälften (Innen- und Außenkontur) und ist je nach gewünschtem Produkt mit Schiebern und anderen Bauteilen versehen. Spritzgießwerkzeuge sind sehr aufwändig in ihrer Herstellung. Sie werden von Werkzeugmechanikern angefertigt, die sehr präzise arbeiten müssen.

In der Spritzgießmaschine werden die beiden Werkzeughälften mit hohem Druck zusammen gedrückt. Der Kunststoff wird oft als transparentes Granulat angeliefert und in einem Kanal soweit erwärmt, dass er fast flüssig (plastifizierbar) ist - bei Polypropylen etwa 250°C. Mit Hilfe einer Schnecke wird das plastifizierte Material ähnlich wie beim Fleischwolf nach vorne zur Düse transportiert und mit den jeweiligen Farbpartikeln vermischt.
Liegt die Düse am geschlossenen Spritzgießwerkzeug an, wird mit hohem Druck (etwa 1200 bar) der plastifizierte Kunststoff in den Formhohlraum gespritzt. Während der Abkühlung schwindet das Produkt, was durch Nachdrücken von Kunststoff ausgeglichen wird.
Nach dem Erstarren wird das Spritzgießwerkzeug geöffnet und das Produkt mit Hilfe von Auswerfern ausgeworfen. 

Text: P. Knierim

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