Raumausstattergesellen bestehen Prüfungen

Natürlich freuten sich die frischgebackenen Dekorationsnäherinnen und Raumausstattergesellen über ihre bestandenen Prüfungen und zeigten stolz ihre Abschlussarbeiten. Doch besonders bei ihren Lehrern war bei dieser Verabschiedung eine große Portion Wehmut dabei, denn es waren die letzten Prüflinge dieser Berufe, die die Bebraer Berufsschule verließen.

 Der Grund für den Wegfall der beiden Berufe ist die Zusammenlegung der Klassen an einem anderen Schulort aufgrund geringer Schülerzahlen.
In so genannten Kojen mussten die angehenden Gesellen unter Beweis stellen, was sie in ihrer Ausbildungszeit gelernt hatten. Neben der Dekoration mit verschiedenen Stoffen gehörte ebenso die Gestaltung der Decke und des Fußbodens sowie das Polstern zu den Prüfungsaufgaben der Raumausstatter, die größtenteils hervorragend gelöst wurden. Die Aufgaben der Dekorationsnäherinnen liegen dagegen mehr im Bereich von Vorhängen und ähnlichen Dekorationsgegenständen. Natürlich gehört bei beiden Berufsbildern auch die geschmackvolle Auswahl und Kombination der Farben dazu.
Stefan Barsukow aus Aua legte vor Sascha Lorkowski aus Raboldshausen die beste Prüfung bei den Raumausstattern ab. Bei den Dekorationsnäherinnen hatte Kathrin Iba (Ulfen) die spitzeste Nadel. Die Arbeiten von Peggy Pechthold aus Marksuhl konnten sich aber ebenfalls sehen lassen.
Seit über 20 Jahren haben Karl Gottbehüt und Helga Purkl gemeinsam mit Polstermeister Ernst Langefeld die Raumausstatter und Dekorationsnäher in den Beruflichen Schulen Bebra unterrichtet. Dass die Ausbildung fundiert gewesen sein muss, dürften die guten Prüfungsergebnisse und die Tatsache unter Beweis stellen, dass viele der ehemaligen Auszubildenden eine Weiterbildung anstrebten. So konnte eine Absolventin beispielsweise beim Auswahlverfahren an der Fachhochschule Münster unter 200 Bewerbern als Beste abschließen. Außerdem konnten Wettbewerbe auf Kammer- und Landesebene gewonnen werden.
„Ohne sich persönlich vor Ort zu informieren, wurde die Entscheidung für die Zusammenlegung an einem Schreibtisch im fernen Wiesbaden getroffen“, erklärte Karl Gottbehüt. Einzelschicksale finden dabei keine Berücksichtigung. „Der Berufsschulunterricht wird für die Auszubildenden und Betriebe wesentlich teurer werden“, erläutert Karl Gottbehüt weiter. „Beispielsweise wird im kommenden Schuljahr eine Auszubildende aus Uttrichshausen, nahe der Autobahnabfahrt Fulda-Süd, zum Berufsschulunterricht nach Kassel fahren müssen. Um die Fahrtkosten zu decken, dürfte ein Großteil der Ausbildungsvergütung verbraucht werden.“ Karl Gottbehüt sprach besonders seiner Kollegin Helga Purkl seinen Dank für die hervorragende Zusammenarbeit im Rahmen der Raumausstatter- und Dekorations-näherausbildung aus. Sein Dank ging selbstverständlich auch an die Handwerkskammer: „Die Raumausstatter sind immer wie eine große Familie“, sagte Gottbehüt. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses, Rainer Knierim, händigte er die Bescheinigungen über die bestandenen Abschlussprüfungen aus. Auch Rainer Knierim bedauerte die anstehende Veränderung der Berufsschulausbildung.
Seitens der Schulleitung lobte Studiendirektorin Karin Allmeroth die Auszubilden-den sowie deren Liebe und Mühe, mit denen sie ihre Prüfungskojen vorbereitet haben. „Wir werden sicherlich einige Anregungen mit nach Hause nehmen können“, sagte die zuständige Abteilungsleiterin.
Für drei der vier Auszubildenden steht nun die Suche eines Arbeitsplatzes an. Leider bekommt nur einer von ihnen einen befristeten Vertrag. Bei einem anderen steht die Entscheidung allerdings noch aus.

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