Fahrt zum „Genie mit kantigen Kurven“

Er gilt als einer der Großen seines Fachs und es gibt fast nichts, was er noch nicht hinsichtlich eines anderen Designs durchdacht hat: Luigi Colani gilt in Fachkreisen als „Genie mit kantigen Kurven“. Für die Schülerinnen, Schüler und Lehrer der Fachoberschule Gestaltung an den Beruflichen Schulen Bebra war die Fahrt nach Karlsruhe interessant, lehrreich und beeindruckend, zumal sie von Luigi Colani selbst durch die Ausstellung geführt wurden!

„Luigi Colani entwirft die Welt von morgen und die ist auf alle Fälle rund und unangepasst“, erklärt der Klassenlehrer Karl Gottbehüt und zitiert Luigi Colani: „Die Natur kennt keine Ecken und Kanten, jedes Ding, das im Weltraum herumfliegt, ist rund!“ So hat er schon viele Dinge entworfen, die wir in unserem Alltag wieder finden: Autos, Teekannen, Stühle, Computermäuse, Flugzeuge, Kloschüsseln oder Trinkflaschen. Vieles davon und weitere Entwürfe waren in Colanis Ausstellung zu sehen. Auf einer Fläche von über 4000 Quadratmetern zeigte der inzwischen 76-Jährige über 1000 Großprojekte, Modelle und Entwurfszeichnungen. „Was er gestaltet, erregt Aufsehen“, so Karl Gottbehüt.
„Colani sieht sich selbst nicht als Designer“, berichten die Schülerinnen und Schüler. „Er mag das Wort nicht. Die Designer hätten heute alle die gleiche Software und produzierten den gleichen Schrott! Colani macht Größeres: 3D-Philosophie oder Biomorphologie.“ Colani kann als Vorreiter in der Designerszene angesehen werden: „Die organischen Formen, die er seit Jahrzehnten unermüdlich propagiert, haben sich mittlerweile durchgesetzt. Natürlich nicht in der Kühnheit, wie sie Colani erdachte“, erklärt Franz Pulte, der ebenfalls in der Bebraer Fachoberschule Gestaltung unterrichtet. „Man braucht nur einen Apple–Computer oder einen Audi TT anzuschauen und versteht, dass Colani seiner Zeit um mindestens eine Generation voraus ist.“
„Dass er oft kopiert wird, stört ihn nicht, er beobachtet es mit Genugtuung“, sagt Hans Wolf, ebenfalls Lehrer an den Beruflichen Schulen Bebra. Deshalb nutzt er seine seit neun Jahren bestehende Gastprofessur für Urbanistik und Architektur in Shanghai, um sich mit der Vision einer utopischen Wissenschaftler-Stadt zu beschäftigen, die er gerne komplett entwerfen würde. Auch hier liefert Mutter Natur die Vorlage: Aus der Vogelperspektive betrachtet, erinnert sein Stadtmodell an einen liegenden Menschen, der die Beine - große Autobahntrassen, die ins Zentrum führen - weit auseinander spreizt.
Den weltberühmten Designer so hautnah zu erleben, war für Schüler und Lehrer ein besonderes Erlebnis. Zum Schlüsselerlebnis wurde die Aufforderung Colanis an die Schüler, an seinem „Schimmel-Klavier“ zu spielen. Sofort setzte sich der Bebraer Schüler Heinrich Janzen an den Designer-Flügel und begeisterte mit gekonnten Einlagen das Publikum und Colani selbst.

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