Ethikprojekt

Dass eine Fachoberschulklasse für Technik während des Unterrichts ein dreigängiges Menü zubereitet, ist recht ungewöhnlich, doch es hatte einen besonderen Grund: Die angehenden Fachabiturienten behandelten im Ethikunterricht das Thema Ernährung. Dabei ging es aber nicht nur um die richtige Zubereitung von wohlschmeckenden Speisen, sondern vielmehr um die ethischen Aspekte der Ernährung.

 „Dieses ging von der Ernährung in der Menschheitsgeschichte bis zu Ernährungsarten“, erläutert Alexander Inden von der Fachoberschulklasse FOS 12 B. Verschiedene Texte wurden gelesen, analysiert und interpretiert. „Wir erfuhren, dass die Menschen in der Vergangenheit Ihr Essen nicht nur zwecks der Nahrungsaufnahme auf- und zubereiteten, sondern teilweise sogar ganze Orgien daraus gemacht wurden“, berichtet sein Klassenkamerad Michael Hofmann. Die Schüler erkannten, dass früher wie heute die einen im Überfluss leben, während andere hungern. „Die Lust des Essens und das Leid des Hungerns“, lautete somit auch die Überschrift ihres Projekts.
Höhepunkt ihres Projekts war das gemeinsame Zubereiten und Verzehren von Speisen. Dieses geschah jedoch mit einer langen Vorbereitungszeit, denn die Schüler wollten vorher noch mehr über die Herkunft der Lebensmittel wissen. So besichtigten sie einen Biohof und informierten sich dort über die artgerechte Tierhaltung. Außerdem achteten sie beim Einkauf besonders auf die Qualität der Produkte sowie darauf, dass sie aus der heimischen Region stammen. „Natürlich mussten wir einsehen, dass Qualität auch ihren Preis hat“, sagt Alexander Inden. Bei der Zubereitung kam es ihnen darauf an, dass regionale und althergebrachte Rezepte Anwendung fanden. Sieben Stunden werkelten die Schüler in der Küche der Bebraer Berufsschule und zauberten ein sehr abwechslungsreiches Menü hervor: Als erste Vorspeise servierten sie sich und einem Teil ihrer Lehrkräfte Wildkräuter, die sie morgens selbst gepflückt hatten. Breitwegerich, Löwenzahn, Bärlauch, Gänseblümchen und Brennnesseln waren auf den Tellern zu finden. „Es schmeckt erstaunlich gut“, war ihr Urteil. Für die zweite Vorspeise, eine Hühnerbrühe mit Reiseinlage schlachtete Michael Hofmann am Vortag extra ein Huhn aus der eigenen Zucht. Die Schweinelendchen der ersten Hauptspeise stammten aus Gilfershausen. Dazu wurden hessischer Spargel und Kartoffelgratin gereicht. Die zweite Hauptspeise kam aus dem bekannten Biohof: Rinderbraten mit frischem, selbstzubereitetem Rotkohl und Serviettenknödeln nach altem Hausrezept. Frische Erdbeertörtchen im „FOS 12B“-Design und Obstsalat der obersten Qualitätsklasse mit vielen Vitaminen unter der belassenen Schale rundeten das Menü ab.
Jeweils zwei bis drei Schüler kümmerten sich um eine Speise, wobei es wie erwähnt nicht nur ums Essen ging: Beim Servieren lautete die Aufgabe für die Schüler, kurze Statements über Herkunft, Herstellung, Hintergründe, Geschichte und Zubereitung der Speise abzugeben. Ihr Ethiklehrer Reinhard Böhm kontrollierte dabei, ob die zuvor aufgestellten Kriterien eingehalten wurden und zog das Ergebnis mit in die Bewertung ein.
Damit auch weitere Mitschüler ihr Essen demnächst etwas kritischer betrachten, stellten die Fachoberschüler eine Powerpointpräsentation zusammen, die sie in einer Pause vorstellten. „Das Interesse war durchaus positiv“, erklärten Michael Hofmann und Alexander Inden stellvertretend für ihre Klassenkameraden.

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