Von der Facharbeiterausbildung zum Ingenieur

Auch während seines Maschinenbaustudiums an einer Berufsakademie pflegte und nutzte Heiko Blankenbach seine Kontakte zu den Beruflichen Schulen Bebra.
Welche Wege einem Facharbeiter offen stehen, zeigt Heiko Blankenbach aus Schwarzenhasel. Nach seinem Abitur erlernte er den Beruf des Kraftfahrzeugmechanikers und steht nun kurz vor dem Abschluss seines Ingenieurstudiums an der Berufsakadamie in Heidenheim.

 Als Thema seiner zweiten Studienarbeit wählte er den Aufbau eines Prüfstandmotors sowie die Darstellung der Entwicklungsgeschichte des Dieselmotors. An dem Prüfstandmotor können nun Schüler an den Beruflichen Schulen in Bebra praxis- und handlungsorientiert die Besonderheiten eines Dieselmotors erlernen.
„Mir schwebte als Thema für die Studienarbeit schon früher der Aufbau eines Motors vor. Ich wollte etwas schaffen, das später auch Anwendung findet“, schildert Heiko Blankenbach die Vorüberlegungen zu seiner Arbeit. Doch im Endeffekt war auch etwas Zufall dabei: „Ich rief meinen ehemaligen Fachlehrer der Berufsschule, Horst Herbert, an und berichtete ihm von meinem Vorhaben. Da erklärte er mir, dass er gerade aus einem Unfallwagen einen Dieselmotor demontiert hätte, den er für solche Zwecke aufbauen wolle“, erläutert Heiko Blankenbach den Start der erfolgreichen Zusammenarbeit. Es folgte die Erarbeitung eines Konzepts: An dem Motor sollten möglichst viele Arbeiten erlernt werden können, die auch im Werkstattalltag anfallen. Sämtliche Motorkomponenten sollten den Schülern und Auszubildenden erläutert werden können, wobei die Verbindung von Theorie und Praxis an oberster Stelle stehen soll. Dieses gelang voll und ganz: Der Motor und seine Nebenaggregate wurden in ein Gestell aus Stahl-Vierkantrohren montiert und umfangreich modifiziert. „Sämtliche Einstellmöglichkeiten wie Steuerzeiten, Förderbeginn der Einspritzpumpe oder die oberen und unteren Totpunkte können mit Hilfe des bereits vorhandenen Demonstrationsstandes für die elektronische Dieselregelung analysiert, verändert und verglichen werden“, erklärt der zuständige Fachlehrer für Kraftfahrzeugtechnik, Horst Herbert, in der Kraftfahrzeugwerkstatt der Bebraer Berufsschule. Die elektrischen Verbindungselemente sind steckbar gestaltet, so dass auch diese Funktionen einzeln betrachtet werden können. Ein weiterer Vorteil ist, dass keine Fahrzeugkarosserie den Zugriff zum Motor behindert.
Eine Lücke in der praktischen Ausbildung von Kraftfahrzeugmechanikern konnte so geschlossen werden. „Der handlungsorientierte Unterricht und der Praxisbezug sind gerade bei der heutigen schnellen Weiterentwicklung der Technik extrem wichtig“, betont Horst Herbert.
Das hat auch Heiko Blankenbach für sich erkannt und im beruflichen Werdegang umgesetzt: Nach seinem Abitur an der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule erlernte er den Beruf des Kraftfahrzeugmechanikers. Einem Praktikum schloss sich 1999 der Beginn seines Maschinenbaustudiums in Clausthal an. Dann ergriff er die Chance, seinen Studiengang an der Berufsakademie in Heidenheim an der Brenz fortzusetzen. „In Zusammenarbeit mit der Industrie werden so überwiegend in Baden-Württemberg theoretische Lerninhalte der Berufsakademie mit praktischem Arbeiten auf Ingenieursebene kombiniert“, beschreibt Heiko Blankenbach seine Ausbildung. „Wenn Studenten der Universitäten und Fachhochschulen in die Semesterferien gegangen sind, bin ich zu MAN Nutzfahrzeuge nach München und habe dort den praktischen Teil meines Studiums absolviert“, so Heiko Blankenbach. Ferienjobs brauchte er auch nicht, denn er erhält während seines Studiums eine Vergütung, ähnlich wie in einer bekannten dualen Berufsausbildung. Für das Studium an einer Berufsakademie ist eine abgeschlossene Berufsausbildung nicht Voraussetzung, jedoch das allgemeine Abitur beziehungsweise die Fachhochschulreife. Nach drei Jahren führt das duale Studium zum Fachhochschulabschluss und eine Übernahme ist in den meisten Fällen auch gesichert.

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